Christine Vogel und Laura Rehmann; Univ. Vechta (Web)
Zeit: 10.-11.09.2026
Ort: Vechta
Dass die dynastische Herrschaftspraxis von den diskursiven Normsetzungen der asymmetrischen frühneuzeitlichen Geschlechterordnung regelmäßig abwich, hat die geschlechtergeschichtliche Forschung vor allem mit Blick auf den frühneuzeitlichen Fürstenhof als Schauplatz dynastischer Herrschaft und institutionalisierter Ort politischer Partizipation gezeigt. Mittlerweile werden zunehmend auch die mittlere Ebene des politischen Handlungsfelds sowie kleinere Herrschaftsträger in den Blick genommen und politische Gestaltungsspielräume adliger AkteurInnen jenseits des regierenden Hochadels freigelegt, so dass neben Regentinnen und Fürstinnen allmählich auch andere Frauen als politische Akteurinnen in den Fokus treten. Mit Blick auf den spezifischen Anteil von Frauen an der adligen Herrschaftspraxis, insbesondere als Landesmutter, wurden verschiedene Handlungsfelder in der Forschung identifiziert. Außer dem Bereich der Familienpolitik und der Funktion der Gattin als Fürbitterin waren das insbesondere die Gestaltung von Netzwerken durch die Pflege von Korrespondenzen, die Ämterpatronage, die standesgemäße Repräsentation sowie Diplomatie und Religion. Schließlich wurden zuletzt auch ökonomische Praktiken adliger Frauen im Rahmen ihrer Aufgaben als Verwalterinnen und Bewirtschafterinnen eigener Güter oder, in ihrer Funktion als vormundschaftliche Regentinnen, des dynastischen Besitzes betrachtet.
Auf dem Workshop wollen wir die genannten Handlungsfelder adeliger Frauen betrachten und dabei systematisch die Frage nach der Selbstpositionierung der involvierten AkteurInnen untersuchen. Dabei gehen wir von der Annahme aus, dass konkrete Handlungssituationen explizite oder implizite Positionierungen aller Beteiligten im Spannungsfeld sich überlagernder Handlungserwartungen erforderten. Zu fragen wäre damit nicht nur, welche sozialen Rollen adlige Frauen einnahmen und welche Normen dabei grundsätzlich zum Tragen kamen, sondern auch, wie sich diese Normen in konkreten Situationen überlagerten und ggf. sogar in Konkurrenz traten und was das für die involvierten AkteurInnen bedeutete. Wie wirkten sich insbesondere weibliche Statusveränderungen (idealtypisch: Tochter – Ehefrau – Mutter – Witwe) dabei aus? Wie werden Normenkonkurrenzen in den Quellen sichtbar, wann wurden sie explizit thematisiert und wo artikuliert sich so etwas wie der „Eigensinn“ historischer AkteurInnen? … weiterlesen und Programm (Web)
Quelle: HSozKult (Web)

Institut für Kulturforschung Graubünden (ikg); Forschungsgruppe ALPINNKONNECT, ERC AdG, Univ. Wien
The European Rural History Organisation (EURHO); Univ. of Primorska in Koper, Faculty of Humanities
Historical Fictions Research Network (HFRN): Series Editors Global Historical Fictions (Brill), Ingibjörg Ágústsdóttir, Jerome de Groot, Dorothea Flothow, Siobhan O’Connor, and Stephanie Russo
16. Tagung der Arbeitsgemeinschaft „Frühe Neuzeit“ im Verband der Historiker und Historikerinnen Deutschlands; Birgit Emich, Michael Leemann und Xenia von Tippelskirch
Central European History Convention; Institut für Österreichische Geschichtsforschung der Univ. Wien und Wirth Institute of Austrian and Central European Studies der Univ. of Alberta